Dort, wo sich israelische und palästinische Jugendliche treffen.
Manchmal ist es unmöglich, dass sich Nachbarn treffen, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt leben. Das gilt insbesondere für junge Israelis und für junge Palästinenser. Genauer gesagt, für junge Palästinenser, die nicht auf dem Staatsgebiet Israels leben, sondern im Gaza-Streifen oder in der Westbank. Dabei wäre es naheliegend und notwendig, gerade zwischen diesen jungen Menschen, die zweifellos die Zukunft ihrer Gemeinschaften bilden, ein Kennenlernen zu ermöglichen. Zu erfahren, dass „die anderen“ tatsächlich Menschen sind, die hoffen, leben, lieben und Angst vor Zerstörung und Gewalt haben.
Einer der Orte, die dieses Kennenlernen ermöglichen, ist die Umgebung des Beruflichen Schulzentrum in Emmendingen. Man reibt sich die Augen. Emmendingen, dort?
Jedes Jahr, seit vielen Jahren, kommen 14 Jugendliche für zehn Tage nach Emmendingen, untergebracht in Familien von Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Schulzentrums. Mit jeweils zwei Begleitpersonen kommt die eine Hälfte aus Israel, die anderen Hälfte aus dem Westjordanland. In Emmendingen erwartet sie ein sorgfältig geplantes Programm, das viel Raum bietet für gemeinsame Gespräche, Debatten und Erlebnisse. Im Gegenzug reist eine Jugendgruppe nach Israel und in die Westbank und lernt dort eine neue, vollkommen andere Lebenswirklichkeit kennen.
Während des Austauschtreffens zu Beginn des Oktobers 2023 war eine gemischte Jugendgruppe aus Israelis und Palästinensern in Emmendingen. Der grauenhafte Überfall der Hamas auf das Grenzgebiet Israels zum Gazastreifen am 7. Oktober 2023 traf die Jugendlichen unerwartet wie ein fürchterlicher Schock und brachte sie alle in schwierigste Situationen. Diese unvorhersehbare Krise konnte mit viel Engagement, Glück und harter Arbeit einigermaßen gemeistert werden. Alle Jugendlichen kehrten körperlich unversehrt in ihre Heimatorte zurück. Nach dieser Krise arbeitet das Projekt weiter. Sobald es die politische Lage erlaubt, werden weitere Austauschtreffen stattfinden.
Omri Boehm hat als Preisträger der Leipziger Buchmesse 2023 auf die kolossale Frage hingewiesen, was die Idee der Freundschaft in einer sich verdunkelnden Zeit zwischen Israelis und Palästinensern bewirken kann. Er sagt, wo sich „die Öffentlichkeit verdunkelt und das Licht, das für das Selbstdenken notwendig ist, schwindet“, erlaube es die Freundschaft, das Denken zu öffnen und das Potenzial des Selbstdenkens in dunklen Zeiten zu öffnen. Das scheint die einzige Chance zu
sein, daran arbeiten die Projektgruppen in Emmendingen: Freundschaft als Chance.
Helmut Reibold ist gerne bereit, sein Wissen zu teilen, bei der praktischen Umsetzung ähnlicher Vorhaben Tipps und Hinweise zu geben. Nachahmung ausdrücklich erwünscht.
